Dibbelabbes und Schaales

Aus Saarland-Lexikon
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Inhaltsverzeichnis

Zutaten

(für 2 Personen)
80 g Speck, durchwachsen
1 Stange Lauch
1 Zwiebel
1/2 Bund Petersilie
1 Zweig Majoran
600 g Kartoffeln
2 Eier
Salz, Pfeffer, Muskat
Öl zum Anbraten

Zubereitung

  • Den Speck in kleine Würfel, den Lauch in Ringe schneiden. Die eine Hälfte der Zwiebel reiben, die andere in Würfel schneiden. In einem Bräter etwas Öl erhitzen und den Speck auslassen. Zwiebelwürfel und Lauch zugeben, kurz dünsten und alles herausnehmen.
  • Petersilie und Majoran fein schneiden. Die Kartoffeln schälen, reiben und den Saft etwas ablaufen lassen. Dann die Speckmischung, die restlichen Zwiebeln, die Eier und die Kräuter zu den Kartoffeln geben und gut vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.
  • In einem Topf etwas Öl erhitzen, die Masse einfüllen und ca. 45 Minuten braten. Dabei häufig wenden und durchrühren.
  • Als Beilage eignet sich Apfelmus. Nach dem Essen hat man das Recht auf einen Verdauungsschnaps.
  • Vegetarier können den Speck raus lassen und dafür etwas stärker würzen.

Sprache

Ein Dibbelabbes ist kein Topflappen. Er schmeckt auch nicht so. Und Schaales ist nicht unbedingt die Bezeichnung für den gealterten Spross vom "Lisbeth" (saarländisch für "Königin Elisabeth").

Der Unterschied zwischen Dibbelabbes und Schaales ist im Saarland sehr komunikationsfördernd. Man kann damit erreichen, dass eine Gruppe von Saarländern sich damit längere Zeit beschäftigt. Die Frage danach drängt im Saarland sofort Belanglosigkeiten (Wetter, Neuwahlen etc.) in den Hintergrund. Keiner kennt den Unterschied, aber alle reden mit. Meistens fallen keine Argumente, aber Autobiographisches wird zelebriert: "Bei uns hat ma immer Dibbelabbes gesahd!" - "Mei Oma hat awwer Schaales gesahd!"

Am besten verlässt man die Diskussion, etwa bei dem Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten, organisiert sich ein Bier oder geht zur Toilette. Wenn man zurückkommt, sind die andern immer noch dran: "Dibbelabbes unn Schaales, das is es Selwe!" (Wobei das Selbe und das Gleiche im Saarland das Selbe bzw. das Gleiche sind).

In Wirklichkeit gibt es den "kleinen Unterschied" zwischen Dibbelabbes und Schaales:

Der "Dibbelabbes" ist der Auflauf (Dibbe = Topf; Labbes = grosses Teil).

Der "Schaales" ist die gerührte Masse, die überall Kruste (= Schale) hat.

Allerdings gibt es regionale und vielleicht sogar familiäre Unterschiede.

Musik

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In den achtziger Jahren präsentierte "Klään Müllers Dickbänd" das gesamte Rezept für einen echten saarländischen Dibbelabbes in Form eines Rock & Roll. Texter war Gerhard Bungert, siehe Bild! Am Piano rockte Schorsch Seitz. Die Musik lieferte der Nicht-Saarländer Bill Haley.

Der Text (Auszug):

Refrain:

Das ist der Dibbelabbes, Dibbelabbes, Dibbelabbes-Rock,

one, two, three, for, five o clock,

six and seven and eight, nine, ten,

in zwei Stunn, do gehn mir hemm,

do gebbds Dibbelabbes, Dibbelabbes.

1. Strophe:

Zuerschd braucht ma e grossi Pann

aus Eise unn dann gehd ma dran:

Grumbiere werre klään gerieb,

die drickt ma dorch e dinnes Sieb.

Drei Kilo braucht ma fier drei Leit,

damit sich jeder rischdisch freit

of denne Dibbelabbes, Dibbelabbes.

Refrain:

Das ist der Dibbelabbes, Dibbelabbes, Dibbelabbes-Rock,

one, two, three, for, five o clock,

six an seven and eight, nine, ten,

in zwei Stunn, do gehn mir hemm,

do gebbds Dibbelabbes, Dibbelabbes.

Weitere Strophen folgen.

Musikalisch hervorragend: eine weitere Fassung (um nicht zu sagen: bessere): "Dibbelabbes à la Panna" (de beschde macht die Mama) ebenfalls von einer saarländischen Band. Auf CD verewigt. Wir recherchieren. Besserwisser bitte melden!

Die Band hiess Jääbs. Das Lied "Dibbelabbes" wurde 1987 als Single veröffentlicht. Autoren waren Volker Hahn/ Gerd C. Zinsmeister

Dibbelabbes und Jamaika

Mit der Überschrift „Hauptsach, gudd gess“ bringt die Frankfurter Allgemeine am 7. Januar 2012 den Dibbelabbes auf die Titelseite. Wo sonst Politikerköpfe, Börsenszenen oder Straßenkämpfe abgelichtet sind, war an diesem Tag eine Pfanne mit dem dampfenden saarländischen Nationalgericht zu sehen. Die Überschrift eines weiterer Artikels sagt uns, worum es dem Blatt (hinter dem immer ein kluger Kopf steckt) eigentlich geht: „Kramp-Karrenbauer beendet ‚Jamaika’-Koalition im Saarland“.

Aber, so fragt sich der Leser, was hat denn das mit Dibbelabbes zu tun? – Die FAZ klärt uns auf: „In der saarländischen Küche treffen sich Rustikales und Raffiniertes, Deutsches, Französisches und allerlei anderes. Das sieht manchmal aus wie Dibbelabbes, schmeckt aber meistens gut. Gepaart mit einer entschleunigten Lebensweise, sollte das mit bloßem Auge kaum sichtbare Bundesland also eine gewisse Anziehungskraft besitzen. Wenn da nicht die Versuche gewesen wären, politisch nachzuempfinden, was die Kulinarik vorlebt, wobei das politisch Zusammengeführte nicht nur keinen schönen Anblick bot, sondern auch nie schmeckte.“

Literatur

Claudia Lehnert: Aus Dibbe & Pann, Rezepte der traditionellen saarl. Küche, Lehnert Verlag [1]

Claudia & Charly Lehnert: Dibbelabbes, Das saarländische Grumbeerbuch, Lehnert Verlag [2]