Die Völkerbundsherrschaft
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Überblick
Chronologie
22. November 1918 Französische Truppen besetzen das Saargebiet, errichten eine Militärverwaltung und lösen die Arbeiter- und Soldatenräte auf.
26. März bis 10. April 1919 Bergarbeiterstreik
28. Juli 1919 Der Versailler Friedensvertrag wird ratifiziert. Der Saarbergbau geht für 15 Jahre als Reparationsleistung an Frankreich. Das Saargebiet wird als politische Absicherung ebenfalls für 15 Jahre dem Völkerbund in Genf (Vorläufer der UNO) unterstellt.
1. Januar 1920 Die Artikel 45-50 des Versailler Vertrages treten unter dem Namen „Saarstatut“ in Kraft. Die Gruben gehen an Frankreich. Eine international zusammengesetzte Regierungskommission des Völkerbundes ersetzt die Militärverwaltung. Der gewählte Landesrat (Vorläufer des Landtages) hat ausschließlich Beratungsrecht.
- Der Präsident wird von der Regierungskommission ernannt.
- Initiativanträge können nicht gestellt werden.
- Der Haushaltsplan wird lediglich zur Kenntnisnahme vorgelegt
- Änderungen an Regierungsvorlagen können nicht vorgenommen werden
- Der Rat hat keinen Einfluss auf die Bildung und die Arbeit der Kommission, eine wirksame Kontrollfunktion gegenüber der Exekutive ist somit nicht möglich
- Die Mitglieder des Rates besitzen keine parlamentarische Immunität.
23. Juni 1922 - Wahl zum 1. Landesrat
Zentrumspartei des Saargebietes 47,7% / 16 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschland 15% / 5 Sitze
Liberale Volkspartei des Saargebietes (ab 1924 Deutsch-Saarländische Volkspartei) 12,8% / 4 Sitze
Vereinigung von Hausbesitz und Landwirtschaft im Saargebiet (ab 1928: Deutsche Wirtschaftspartei) 8,3% / 2 Sitze
Kommunistische Partei Deutschlands 7,5% / 2 Sitze
Deutsche demokratische Partei 3,9 / 1 Sitz
Erster Präsident des Landesrates war Bartholomäus Kossmann, der ehemalige Reichstagsabgeordnete des Zentrums.
Oktober 1922 Entstehung der ersten Ortsgruppe der NSDAP in Saarbrücken
4. Februar bis 15. Mai 1923 Hunderttägiger Streik der fast 70 000 Bergleute. Sie fordern die gleiche Bezahlung wie die lothringischen Bergleute. Gleichzeitig ist es auch ein politischer Streik – gegen die französische Grubenverwaltung und auch ein Solidaritätsstreik mit den Bergleuten an der Ruhr gegen die französische Besetzung.
1. Juni 1923 Der französische Franc wird zur alleinigen Währung.
27. Januar 1924 - Wahl zum 2. Landesrat
Zentrumspartei des Saargebietes 42,8% / 14 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschland 18,4% / 6 Sitze
Kommunistische Partei Deutschlands 15,9% / 5 Sitze
Deutsch-saarländische Volkspartei 14,8 / 4 Sitze
Vereinigung von Hausbesitz und Landwirtschaft im Saargebiet (ab 1928: Deutsche Wirtschaftspartei) 4,1% / 1 Sitz
Koßmann wird in die Regierungskommission berufen. An seine Stelle trat Peter Scheuer vom Zentrum als Präsident des Landesrates.
20./21. Juni 1925 Jahrtausendfeier der Rheinlande. (925 setzte König Heinrich I. über den Rhein und nahm Lothringen als 5. Herzogtum im Reich auf). Sie wird vor allem von den Turn- und Gesangvereinen getragen, die trotz Abtrennung von Deutschland Teil ihrer nationalen Verbände geblieben sind. Sie war die größte Demonstration für die damals noch von fast allen befürwortete Rückkehr zu Deutschland.
25. März 1928 - Wahl zum 3. Landesrat
Zentrumspartei des Saargebietes 46,3 / 14 Sitze
Kommunistische Partei Deutschlands 16,7 / 5 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschland 15,6 / 5 Sitze
Deutsch-saarländische Volkspartei 9,1 / 3 Sitze
Deutschnationale Volkspartei 3,8 / 1 Sitz
Christlich soziale Partei des Saargebietes 3,3 / 1 Sitz
Deutsche Wirtschaftspartei 3,2 / 1 Sitz
17. September 1928 Anschluss von Saarbrücken an den internationalen Luftverkehr
14. Juni 1929 Abschluss des preußischen Konkordats, das auch für den größten Teil des Saargebietes galt.
13. März 1932 - Wahl zum 4. Landesrat
Zentrumspartei des Saargebietes 43,2 / 14
Kommunistische Partei Deutschlands 23,1 / 8
Sozialdemokratische Partei Deutschland 9,6 / 3
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 6,7 / 2
Deutsch-saarländische Volkspartei 6,6 / 2
Deutsche Wirtschaftspartei 3,2 / 1
Zum Vergleich: Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 erzielte die NSDAP 37,4% der Stimmen.
30. Januar 1933 In Deutschland kommt Adolf Hitler zur Macht.
14. Juli 1933 Auf Anregung von Hermann Röchling schließen sich folgende Parteien zur deutschen Front zusammen: Deutschnationale Partei, Deutsch-saarländische Volkspartei, Deutsch-bürgerliche Mitte, Zentrum und NSDAP.
26. Februar 1934 Die „NSDAP des Saargebietes“ löst sich auf.
4. Juli 1934 Die Bildung der Einheitsfront von KPD und SPD für den Status quo wird bekannt gemacht.
13. Januar 1935 Die Saarländer entscheiden sich mit 90,8% der Stimmen für den Anschluss an Hitler-Deutschland. Für den Status quo stimmen 8,8%, für den Anschluss an frankreich 0,4%.
1.März 1935 Angliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich.
Spuren
An den Sozialdemokraten und Antifaschisten Max Braun erinnern in Saarbrücken:
- eine kleine Seitenstraße in einem Saarbrücker Wohngebiet.
- die "Straße des 13.Januar". Sie beginnt an der Polizeikaserne und endet am Schlachthof.
Zitat
"Der Nationalismus der Abtrennungszeit, die Sehnsuch 'heimzukehren', machten blind für die politischen Bedrohungen der Gegenwart. Die NS-Propaganda konnte hier nahtlos anknüpfen. Sie verstand es, Hitler als 'Befreier von Versailles', als nationalen Messias, nicht als Repräsentanten der NSDAP erscheinen zu lassen: 'Hitler war Deutschland'."
(Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul, Ralph Schock: Die saarländische Sphinx, Lesearten einer Regionalgeschichte, in Klaus-Michael Mallmann u.a. (Hrsg.): Richtig daheim waren wir nie, Entdeckungsreisen im Saarrevier 1915-1955, Berlin/Bonn 1987, S. 268
