Elisabeth von Lothringen
Aus Saarland-Lexikon
Elisabeth von Lothringen, war Gräfin von Nassau-Saarbrücken (* um 1395 in Lothringen; †17. Januar 1456 in Saarbrücken).
Elisabeth war die Tochter Friedrichs von Lothringen und Margarete von Widmont. 1412 wurde sie die zweite Gemahlin von Graf Philipp I. von Nassau-Saarbrücken. Nach dessen Tod im Jahr 1429 übernahm sie bis 1438 die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Philipp II. über das Nassau-Saarbrücker Territorium, das Gebiete an der mittleren Saar, an der Blies, im östlichen Lothringen sowie in weiteren Regionen des Deutschen Reiches umfasste. Ihr gelang es, ihr Reich zusammen zu halten und Streitigkeiten mit den umliegenden Herrschaftsgebieten zu vermeiden. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Saarbrücken zu einer Residenzstadt mit der Grafenburg auf dem steil zur Saar abfallenden Burgfelsen als Kernpunkt.
Elisabeth von Lothringen übersetzte um 1437 vier seinerzeit gängige französische "Chansons de geste" (altfranzösische Epik). Das Wort „geste“ leitet sich ab vom lateinischen „gesta" (= Taten). Es bezeichnete im Hoch- und Spätmittelalter vor allem die Heldentaten der Mächtigen und die Wundertaten der Heiligen.
Die wichtigsten Charakteristika der altfranzösischen Epik sind:
- Die „chansons de geste“ arbeiteten mit geschlossenen Episoden und Handlungssequenzen.
- Sie sind in Versform gehalten, wobei die Verse nicht durch den Endreim sondern durch die Silbenzahl (meistens 10) gebunden waren.
- Der Autor war unbekannt. Erst ab dem 13. Jahrhundert findet man namentlich genannte Autoren.
- Die „chansons de geste“ wurden von einem Spielmann frei vorgetragen, meistens mit Begleitung von mehreren Saiteninstrumenten.
Elisabeth von Lothringen, übertrug die Verse in Prosa und wurde dadurch die erste französisch-deutsche literarische Übersetzerin und auch Wegbereiterin des deutschen Prosaromans. In Frankreich kannte man bereits vorher den höfischen Roman (roman courtois). Er war, ebenso wie der Antikenroman, bereits ab dem 11. Jahrhundert weit verbreitet.
Elisabeth starb am 17. Januar 1456. Entgegen den Gepflogenheiten der alten Grafen von Saarbrücken, die sich in Wadgassen bestatten ließen, wählte Elisabeth St. Arnual (Saarbrücken) als ihre letzte Ruhestätte. Ihr Grabmal befindet sich in der dortigen Stiftskirche.
Quelle
