Georg Friedrich Dasbach
Aus Saarland-Lexikon
Georg Friedrich Dasbach (* 9. Dezember 1846 in Horhausen im Westerwald; † 11. Oktober 1907 in Bonn) war ein deutscher katholischer Publizist und Verleger sowie Politiker der Zentrumspartei.
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Herkunft und Ausbildung
Dasbachs Vater war selbständiger Bäcker und Gastwirt. Er studierte in Trier und an der Gregorianischen Universität in Rom. Dort erlebt er das 1. Vatikanische Konzil mit, bei dem das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet wurde. Im Jahre 1871 wurde er zum Priester geweiht und wurde Kaplan in Trier.
Kulturkampf
Dasbachs Engagement begann, als Bismarck 1872 die Jesuiten verbot. Im Jahr 1874 eskalierte in Trier der Kulturkampf. Bischof Matthias Eberhard (1867 - 1876) musste für fast 10 Monate ins Gefängnis.
Im Sinne des Zentrums schrieb Dasbach engagierte Artikel für die regionale katholische Presse. 1875 erging eine Anweisung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, wonach Dasbach keine geistlichen Amtshandlungen mehr vornehmen durfte. Er war als Priester „gesperrt“. Ihm wurde jede kirchliche Tätigkeit untersagt, weshalb er sein ganzes Leben „Kaplan“ blieb.
Zeitungsgründungen
Im Jahr 1875 kaufte er eine Druckerei und gründete das periodisch erscheinende „Paulinusblatt“. Nach anderthalb Jahren hatte es eine Auflage von etwa 14 000 Exemplaren. Ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde es Bistumszeitung, ab 1936 erschien es unter dem Namen „Paulinus", und zwei Jahre später wurde es vom NS-Regime verboten. Er hatte damals eine Auflage von 125 000. Sofort nach Ende des Zweiten Weltkriegs erschien der „Paulinus“ wieder und ist bis heute Bistumszeitung. Die Paulinus-Druckerei wurde 2001 geschlossen.
Fast zeitgleich mit dem Paulinus erschien zum ersten Mal die „Trierische Landeszeitung“ (Sie existierte bis zum Jahre 1974). Es folgten weitere Periodika, und alle standen auf der Seite der Katholischen Kirche und des Zentrums. Im Gebiet des heutigen Saarlandes gründete Dasbach zwei Zeitungen.
1884 St. Johanner Volkszeitung, Saarbrücken
Sie wurde zunächst in Trier gedruckt, ab 1. Januar 1890 in St. Johann. Dort hatte Dasbach an der Ecke Bahnhof-Fürstenstraße ein Haus erworben. 1895 wurde die „Saarbrücker Volkszeitung“ mit der „St. Johanner Volkszeitung“ zur „St. Johann-Saarbrücker Volkszeitung“ zusammengelegt.
1896 Neunkirchener Zeitung, Neunkirchen
Sie erschien erstmals am 17. November 1894, also zehn Jahre später als die „St. Johanner Volkszeitung“. Die „Neunkirchener Zeitung“ wurde zunächst ebenfalls in St. Johann gedruckt, später in einer Druckerei, die Dasbach in der Neunkirchener Hüttenbergstraße erworben hatte. Neben der Hauptausgabe gab es dann noch mehrere Nebenausgaben (Kopfblätter): die „Neue Nahezeitung“, das „St. Wendeler Volksblatt“ und die „Illinger Zeitung“. Letztere von 1901 bis 1907.
Bergarbeiterbewegung
Als die Saarbergleute 1889 erstmals in den Streik traten, unterstützte er deren Gründung des Rechtschutzvereins und ihren Anführer Nikolaus Warken. Dasbach sprach auf Versammlungen, und er gab den „Sang von Lao-Fumtse“ heraus, eine Satire, die scharf die Willkür der Bergbeamten geißelte.
Als sich in den Folgejahren die sozialen Spannungen erhöhten, wurde das Verhältnis zwischen der Bergarbeiterbewegung brüchig. 1890 ließ er ein Flugblatt verteilen, in dem es unter anderem hieß:
“…wenn neuerdings in der Bewegung unserer Bergarbeiter manches zu Tage getreten ist, was auf sozialdemokratische Einflüsse zurückgeführt werden muss, so ist Herr Kaplan Dasbach nicht schuld daran. Gerade der Tätigkeit des letzteren ist es zuzuschreiben, dass die Bewegung der Bergleute nicht von vornherein in das sozialdemokratische Fahrwasser geraten ist.“
In Nachhinein erklärte Dasbach:
„Den Rechtsschutzverein habe ich gefördert, so lange er kein Streikverein war.“
Antisemitismus
Dasbach war nicht frei von Anfeindungen gegen gesellschaftliche Minderheiten. Er bekämpfte sehr entschieden alle Andersdenkende, wozu auch die Juden gehörten. In seinem Paulinusblatt gab es seit 1879 eine eigene Rubrik gegen den „Judenwucher“. Darin polemisierte er gegen sie und behauptete, die Juden sprächen die Preise und Zinsen absichtlich zum Schaden der Christen untereinander ab. Dasbach ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die menschenfeindliche Ideologie des Antisemitismus nicht erst mit dem Nationalsozialismus begann und auch einige Wurzeln im Christentum hat.
Politische Mandate
Der Inhaber des päpstlichen Ordens »Pro Ecclesia et Pontifice« (1896) war von 1889 bis 1898 Mitglied des Preußischen Landtages. Seit 1898 gehörte er als Abgeordneter des katholischen Zentrums dem Reichstag an. Dort engagierte er sich vor allem in sozialen Fragen, wobei er sich scharf von der SPD abgrenzte.
„Im deutschen Reichstag war Georg Friedrich Dasbach alles andere als ein Hinterbänkler, so entsprach es seinem Naturell. Aus den Reichstagaufzeichnungen geht hervor, dass er sich auch hier hauptsächlich für die gerechte Behandlung nicht privilegierter Menschen einsetzte. So verurteilte er in seinen Reden vor dem Deutschen Reichstag sowohl die Durchführung von Prügelstrafen an Eingeborenen in den deutschen Kolonien, wie auch die Beschimpfung und Misshandlung von deutschen Soldaten durch ihre Vorgesetzten.“ (Werner Herrig)
Ab dem Jahre 1902 erfolgte Dasbachs stufenweiser Rückzug aus seinem Presse-Unternehmen. Am 11. Oktober 1907 starb er im Alter von 60 Jahren in Bonn an Magenkrebs.
Literatur
Dasbach existiert als literarische Figur in dem Theaterstück „Eckstein ist Trumpf“ von Gerhard Bungert und Klaus-Michael Mallmann. Das Volksstück über die Anfänge der Gewerkschaften an der Saar wurde am 23. April 1977 im Saarländischen Landestheater uraufgeführt. Ein Jahr zuvor hatte es den 2. Preis beim Autorenwettbewerb der Stadt Saarbrücken erzielt. Die Buchfassung erschien im September 1979, u.a. mit einer Kurzbiografie von Georg Friedrich Dasbach.
Weblinks
siehe dazu die Kurzbiografien von Nikolaus Warken (Vorsitzender des Rechtsschutzvereins), Leopold Joseph Emmel (damaliger SPD-Funktionär), Ewald Hilger (Sprachrohr der Preussischen Bergbauverwaltung)!
