Gilbert Grandval
Aus Saarland-Lexikon
Gilbert Grandval (*12. Februar 1904 in Paris; †29. November 1981 ebenda), eigentlich Gilbert Hirsch-Ollendorff, war ein französischer Widerstandskämpfer und Politiker.
Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Das Saarland war nach dem 2. Weltkrieg zunächst ein Teil der französischen Besatzungszone und ab Ende 1947 ein kleiner autonomer Staat. Es war durch eine Zoll-, Wirtschafts- und Währungsunion eng an Frankreich gebunden, und auch die politischen Richtlinien seiner Regierung wurden von den Franzosen beeinflusst. Ein Mann war als Mittler und Vertreter Frankreichs vom Ende des Krieges an bis Mitte 1955 fast allgegenwärtig im Saarland: Gilbert Grandval.
Herkunft, frühe Jahre, Kampf in der Résistance
Gilbert Grandval entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie aus dem Elsass, die 1871 nach Paris übersiedelte. Dort wurde er am 12. Februar 1904 geboren. Nach den Familiennamen seiner beiden Großväter hieß er zunächst Gilbert Hirsch-Ollendorf. Er besuchte das Lycée Concordet in Paris. Mit 25 wurde er kaufmännischer Leiter eines Großunternehmens der Chemie. Da er als Privatpilot bereits viele Flugstunden absolviert hatte, wurde er 1939 als Pilot der französischen Luftwaffe eingezogen. 1943 begann er, als Mitglied der Résistance die Nazis in Frankreich zu bekämpfen. Kurz vor Kriegsende wurde er Militärbeauftragter in Nancy und war maßgeblich an der Befreiung der Stadt beteiligt. Etwa von diesem Zeitpunkt an führte er den Familiennamen Grandval. Er war inzwischen zum katholischen Glauben übergetreten. Von General de Gaulle erhielt er nach dem Krieg hohe Auszeichnungen wegen seines Einsatzes in der Widerstandsbewegung.
Grandvals "Mission" im Saarland
Nachdem die französischen Besatzungstruppen im Saarland eingezogen waren, wurde Grandval am 30. August 1945 zu ihrem Militärgouverneur ernannt und stand damit an der Spitze der französischen Militärregierung im Saarland. Als solcher war er sich bewusst, dass wichtige Aufgaben auf ihn warteten: Nach dem verheerenden Krieg musste vor allem die Industrie wieder in Gang gesetzt werden, damit einerseits Frankreich mit der Ausbeutung der Gruben und Hütten beginnen konnte, und um andererseits den Menschen an der Saar eine Lebensgrundlage zu geben.
Anfang Januar 1948 wurde die französische Militärregierung im Saarland durch ein Hochkommissariat ersetzt, dessen Leitung Gilbert Grandval übernahm. Als Hoher Kommissar Frankreichs unterstand er dem Pariser Außenministerium und hatte darauf zu achten, dass die Saarländer die Richtlinien einhielten, die in der wenige Wochen zuvor verabschiedeten saarländischen Verfassung (und besonders in ihrer Präambel) festgelegt worden waren. Er hatte ein Einspruchsrecht gegen Gesetzesvorschläge, die mit der Wirtschafts- und Zollunion und der Autonomie des Saarlands unvereinbar waren. Grandval residierte im Schloss Halberg, das von Beamten des Saarbataillons bewacht wurde.
Am 25. Januar 1952 änderte sich Grandvals Aufgabe im Saarland erneut: Er wurde zum französischen Botschafter und Chef der französischen diplomatischen Vertretung ernannt. Diese Ämter übte er bis zum Juni 1955 aus, drei Monate vor der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955. Die Franzosen zogen ihn aus dem Saarland ab und betrauten ihn mit anderen Aufgaben.
Grandvals Nachfolger als französischer Botschafter wurde am 2. Juli 1955 Eric de Carbonnel (1910 - 1965), der schon von 1948-50 dem französischen Hohen Kommissariat in Saarbrücken in leitender Stellung angehört hatte. Er blieb Botschafter bis zum 27. Oktober 1956.
Nach seiner Tätigkeit im Saarland
Unmittelbar nach seinem Abschied aus dem Saarland wurde Grandval im Juni 1955 zum Generalresidenten (offiziellen Regierungsvertreter) im Protektorat Französisch-Marokko ernannt. Er gab dieses Amt aber schon nach zwei Monaten wegen Differenzen mit seinem Premierminister Edgar Faure auf. Im September 1958 wurde Grandval Generalsekretär der französischen Handelsmarine.
Der Linksgaullist Grandval wurde im April 1962 Staatssekretär im Außenhandelswesen. Kurze Zeit später trat er in die Regierung der fünften französischen Republik ein. Unter ihrem Präsidenten Charles de Gaulle und Premierminister Georges Pompidou wurde er Arbeitsminister. Er begleitete dieses Amt bis Januar 1966. Danach war er bis 1972 Präsident der Reederei Messageries Maritimes. 1971 trat er an die Spitze der linksgaullistischen Partei "Union travailliste" (UP).
Gilbert Grandval starb am 29. November 1981 in Paris und wurde auf dem Friedhof von Saint-Cloud beigesetzt. Er hinterließ einen Sohn (Bertrand) und eine Tochter (Christine).
Grandval verfügte über ein umfangreiches Privatarchiv, das nach seinem Tod von seiner Tochter dem Historischen Institut der Universität des Saarlandes zur Verfügung gestellt wurde.
Auszeichnungen - Ehrungen
- Ordre de la Libération
- Großoffizier der Ehrenlegion
- Croix de Guerre 1939-1945
- Médaille de la Résistance mit Rosette
- Offizier des Ordre des Palmes Académiques
- Commandeur du Mérite Maritime
- Legion of Merit
Schriften
- Grandval, Gilbert / Johannes Hoffmann: La Sarre - bilan d'une année de reconstruction [Die Saar - Bilanz eines Jahres Wiederaufbau]. Paris, 1949. 137 S.
- Abschiedsansprache S. E. Gilbert Grandval, Französischer Botschafter, Chef der französischen diplomatischen Vertretung im Saarland, Donnerstag, den 30. Juni 1955 bei dem ihm zu Ehren von der Regierung des Saarlandes veranstalteten Empfang. Saarbrücken: Presse-Verlag, 1955. 10 Bl.
- Grandval, Gilbert: Ma Mission au Maroc [Meine Mission in Marokko]. Paris: Plon, 1956. 273 S.
- Grandval, Gilbert / A. Jean Collin: Libération de l'est de la France [Befreiung Ostfrankreichs]. Paris: Hachette, 1974. 275 S.
- Grandval, Gilbert: Archives privées. [Text teilw. deutsch u. französ.] Paris, 1983.
- L'économie sarroise. Toutes les activités sarroises passées en revue par 20 industriels sarrois. Ed.: Gilbert Grandval. Paris, 1984.
Weblinks
- Saar-Nostalgie.de (im Kapitel POLITIK): Ausführliche Berichte über die Person Grandvals und seine Arbeit (mit zahlreichen Illustrationen und Fotos).
- Ordre de la Libération: Biografie in französischer Sprache.
- Wikipedia
