Latwersch/Laxem

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Wort

Latwersch, bisweilen auch Laxem genannt, ist der saarländische Ausdruck für „Latwerge“, ein Begriff, den es - zur Verwunderung vieler Saarländer - auch im Hochdeutschen gibt. Die Bezeichnungen sind in den verschiedenen deutschsprachigen Regionen unterschiedlich: Lattwerg, Lattwersch, Latweje, Latwejsche, Latschmiere, Leckschmiere, Leckmerich, Leckwenisch usw.

Definition

Gemeint ist immer damit: ein stark eingekochtes Mus, im Saarland ausschließlich aus Zwetschen oder Pflaumen.

Geschichte

Latwerge bezeichnet ursprünglich eine Arzneimischung in Form eines steifen Breis aus Pulvern und weichen oder flüssigen Komponenten (Sirup, Honig, Mus). Die mittelhochdeutsche Sprache kennt bereits die Wörter latwerge, latwârje, latwêrje, electuârje. Klassisch wurde „Latwersch“ in gewaltigen Mengen und mit nachbarschaftlicher Hilfe im kupfernen Waschkessel der Waschküche eingekocht. Ansonsten erfolgt die Zubereitung in haushaltsüblichen Mengen auf dem Herd, bisweilen auch im Backofen.

Zubereitung

Die möglichst reifen und süßen Zwetschgen werden entkernt und danach zerkleinert oder durch den Fleischwolf gedreht. Das Mus wird mit etwas Wasser bei mäßiger Hitze geköchelt und unter regelmäßigem Rühren zwischen 5 und 12 Stunden (!) lang reduziert, bis es dunkel und zäh ist. Der Rührlöffel sollte darin in jedem Winkel stehen bleiben.

Latwersch erfordert keine weiteren Zutaten. Manchmal werden jedoch gegen Ende der Kochzeit etwa 10 Prozent Zucker und Gewürze (z.B. Zimt, Sternanis) zugegeben.

Gelegentlich findet im Saarland das gemeinschaftliche Zubereiten auch heute noch statt - zur Pflege der Tradition und der Nachbarschaft im Rahmen der dörfliche Gemeinschaft, etwa bei nostalgisch geprägten Straßenfesten. Das lange andauernde Rühren wird zu einem Ritual, das man mit Arbeitsteilung und Schnaps leicht bewältigt.

Beim Einkochen von Früchten werden aber normalerweise zunehmend kurze Kochzeiten bevorzugt, da diese vitaminschonend sind.

Konservierung

Stark eingekochte Latwerge konserviert sich selbst. Zur Aufbewahrung genügen abgedeckte Steinguttöpfe. Sicherer sind sterilisierte Schraubgläser, in welche die noch heiße Masse eingefüllt und verschlossen wird. Durch Umdrehen des Glases für einige Minuten nach dem Schließen können eingedrungene Keime im Deckelbereich abgetötet werden.

Verzehr

Latwersch wird im Saarland vor allem als Brotaufstrich gegessen, seltener – wie etwa in Östereich - zu Quark- und Mehlspeisen.