Lebach
Aus Saarland-Lexikon
| Lebach | |
|---|---|
| Bürgermeister | Arno Schmidt |
| Kontakt |
Tel.: 06881-59-0 |
| Stadtteile |
Lebach |
Inhaltsverzeichnis |
Geographische Lage
Die Stadt Lebach mit ihren rund 20.000 Einwohnern liegt im Landkreis Saarlouis. Seiner geographischen Lage verdankt Lebach seine Bedeutung als einer der zentralen Orte des mittleren Saarlandes. Die Stadt Lebach zählt heute rund 23.000 Einwohner bei einer Gemarkungsgröße von rund 65 qkm und verfügt über zentrale Funktionen, die der Versorgung ihres Umlandbereiches dienen. Geprägt wird die Stadt Lebach von ihrer städtischen Siedlungsform sowie ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung.
Geologische Bedeutung
Der Ort liegt am Rande des abbaufähigen Kohlengebietes (Karbon), das unserem Grenzland sein Gewicht als Industrierevier im Grünen verliehen hat. Die besondere geologische Formation ist das Rotierende aus dem Erdzeitalter des Perm. Eine charakteristische Ablagerungsschicht besteht aus Schieferton mit eingelagertem Toneisenstein, der sich zu eiförmigen Knollen zusammenschloss, den sogenannten eisenhaltigen Eiern.Ihr vermehrtes Auftreten im Lebacher Bereich veranlasste die Geologen, diese Erdschicht als "Lebacher Schichten" oder "Lebacher Gruppe" zwischen Kuseler und Tholeyer sowie Wadern - Kreuznacher Schichten zu bezeichnen. Hieraus stammen auch die "Lebacher Eier", die ein Alter von 250 Millionen Jahren nachweisen können und interessante Aufschlüsse über Pflanzen- und Tierwelt dieser erdgeschichtlichen Zeit liefern. So erhielt von den Pflanzenforschern das älteste Nadelholzgewächs die Bezeichnung "Lebachia speciosa", weil ein Forscher Mitte des vorigen Jahrhunderts Abdrücke in den Lebacher Schichten gefunden hat.
Sehenswürdigkeiten
Das barocke Schloss La Motte löste die frühere Burg Motten ab, die seit etwa 1300 Stammsitz des Geschlechtes war. Das Schloss behält deren Bezeichnung als Eigenname bei. Erbaut wurde es in den Jahren 1707 bis 1711 unter Johann Wilhelm Ludwig Freiherr von Hagen (*1673 +1750), wobei dessen Bruder Johann Hugo von Hagen, Domherr zu Eichstätt, die eigentliche Bauleitung hatte. Wie alte Ansichten auf Gemälden und vor allem Katasterpläne und Archivalien zeigen, handelte es sich bei dem Schlosskomplex um eine zweiteilige Anlage mit dem eigentlichen Schloss auf rechteckigem Grundriss mit verkürzten, pavillonartigen Flügeln einerseits und den Wirtschaftsgebäuden in echter Dreiflügeligkeit, die einen Vorhof bilden, andererseits. Von letzteren steht heute noch der zentrale Torbau. Zur Gestaltung des Schlossgeländes trugen künstliche Wassergräben, Wälle und Gartenterrassen bei. Das Schlossgebäude besaß eine dreigeschossige, wohlgegliederte Fassade, dazu Dächer mit Dachgauben. Es soll 34 Herrschaftszimmer, einen Rittersaal, Unterkünfte der Dienerschaft, sowie große Stallungen (für etwa 50 Pferde, 100 Rinder und 400 bis 500 Schafe) in den Wirtschaftsgebäuden und eine Mühle mit zwei Mahlgängen besessen haben. Etwa gleichzeitig mit der Französischen Revolution erlosch auch die Linie von Hagen zur Motten mit dem Tod des Reichshofratspräsidenten Johann Hugo von Hagen im Jahre 1791 im Mannesstamm. Um das Erbe entstand ein Streit zwischen den hinterbliebenen Schwestern Johann Hugos und dem lothringischen Zweig, der seine Ansprüche geltend machte. Die lothringische Linie derer von Hagen, de la Haye, übernahm letztendlich nach langen Auseinandersetzungen vor Gericht, 1806 große Teile des Besitzes, darunter auch das Schloss Motten. Nachdem auch diese Linie im Mannesstamm erloschen war, stand das Hofgut 1822 zum Verkauf, 1846 schließlich zur öffentlichen Versteigerung frei. Von den Besitzern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ der Bankier Abraham Mayer bis zum Jahre 1882 den größten Teil des Schlosses abreißen.
Weiterhin sehenswert sind das Gräberfeld aus der La-Téne-Zeit und die 125 Jahre alte Pfarrkirche.
Städtepartnerschaft und Festivitäten
Zwischen der Stadt Lebach und der Stadt Bitche in Frankreich besteht seit dem 20. Mai 1979 eine Städtepartnerschaft. Jedes Jahr findet in der zweiten Septemberwoche die „Grüne Woche“ mit Pferderennen und abendlichen Veranstaltungen statt.
Berühmte Kinder der Stadt
Maria Honorine Steimer, die erste Generaloberin der Erlöserschwestern
Klaus Steinbach, Dr. med, Schwimmsportler und Sportfunktionär
Emma Stern, Malerin
Ruth Stern, Malerin
Herbert Strässer, Bildhauer
Albert Wagner, Politiker und Sportfunktionär
In Lebach erschienene Saarland-Bücher (Queißer-Verlag)
- Gerhard Bungert: Bei uns dehemm und anderswo, Erzählungen und Mundartgedichte, Lebach 1986
- Gerhard Bungert mit Charly Lehnert: Meins & Meiner, Kosewörter auf Saarländisch, Von Ärschelche bis Zuckerschniss, mit einem Anhang zum Thema: Wie Saarländer lieben, Lebach 1986
- Gerhard Bungert mit Charly Lehnert: Gudd gess, Ein saarländisches Kochbuch, Lebach 1984
- Gerhard Bungert mit Charly Lehnert: Das Lyoner-Buch, Lebach 1985
- Gerhard Bungert mit Charly Lehnert: Grumbeer-Buch, Alles über die Kartoffel, Lebach 1987
Geschichte
Im ersten Jahrtausend nach Christus
Die Besiedlung des Raumes von Lebach ist durch Funde in den Jahrhunderten vor der Zeitwende nachweisbar. Reichliche Fundorte im gesamten heutigen Stadtbereich lassen erkennen, dass bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. eine keltisch - römische Bevölkerung sich von der Land- und Viehwirtschaft - in den Talauen und in den Mischwäldern betrieben - ernähren konnte. Der Ort Lebach kann auf eine dichte Besiedlung zur Römerzeit hinweisen: zwei Villen ("Auf den Erdhäusern" und "Weinheck") und zwei dazugehörige Friedhöfe sowie ein Opferteich in der Nähe der Theelfurt bei Jabach [vgl. Reste römischer Siedlung in Lebach]. Nach der germanischen Landnahme im 4. und 5. Jahrhundert wird als Siedlungspunkt der sanfte Hügelvorsprung an der Theel gewählt, wo die Einmündung des Mandelbaches ist. Hier fand sich auch bei normaler Wasserführung eine Möglichkeit, den Fluß zu überqueren. Die erste Lebacher Siedlung wurde auch in die Christianisierung, z.B. des hl. Wendalinus, eingeschlossen. Das erste Zeugnis vom Ort ist die Aufzählung der Pfarrei im Wallfahrtsregister des Klosters in Mettlach um 950 n. Chr.
Vom Mittelalter zur Neuzeit
Lebach tritt aus der Anonymität der Vorgeschichte heraus und zählt zur Herrschaft des Kurfürsten von Trier. Lehensträger aber wurde das Rittergeschlecht der Freiherren von Hagen [vgl. Ortsteil Hahn]. In der weiteren Entwicklung des Ortes Lebach und seiner umliegenden Weiler Landsweiler und Niedersaubach bildete sich eine Vierherrschaft Lebach. Zwei Siebtel Anteile hatten Kurtrier, Herzogtum Lothringen (ab 1787 Herzogtum Zweibrücken), die Herren von Hagen und ein Siebtel die Äbtissin von Fraulautern. Die vier Herren teilten sich die Ausübung der Rechtsprechung im "Hochgericht Lebach". Die nächste Instanz war das Reichskammergericht in Wetzlar. Sie teilten sich die Einwohner in den ihnen zugehörigen Häusern und Mühlen. Die vier Herren übten die besondere Kontrolle bei den Jahrmärkten aus und bestritten die Kosten durch die Ausschankgebühr an diesem Tage. Schon zur Zeit der Vierherrschaft ist der Mariä-Geburts-Markt weithin als bedeutender Jahrmarkt bekannt. Die älteste noch vorhandene Urkunde ist auf den 8. September 1614 datiert. Die Stadtteile Aschbach, Dörsdorf, Gresaubach, Steinbach und Thalexweiler gehörten zum Amt Schaumburg und kamen im Zuge eines vertraglichen Gebietsaustausches im Jahre 1787 aus lothringischem Besitz in den von Pfalz-Zweibrücken. Die Stadtteile Eidenborn, Falscheid und Knorscheid waren in der Hand der Grafen von Nassau-Saarbrücken und wurden durch das Amt St. Johann verwaltet.
Die Folgen der Französischen Revolution
Das Ende der Vierherrschaft Lebach wurde durch die Französische Revolution eingeläutet. Alle fürstlichen Herrschaften in den linksrheinischen Landen wurden vertrieben. Vier Departements wurden im Januar 1798 neu errichtet und durch den Frieden von Luneville (9. Februar 1801) als französisches Territorium bestätigt. Erst die zweimalige Besiegung Napoleons 1814 und 1815 setzte dieser Fremdherrschaft ein Ende. Lebach wurde im Saardepartement zum Kantonsort erhoben unter Zuteilung der Bürgermeistereien Hüttersdorf (Bettingen gehörte zum Moseldepartement), Lebach, Nalbach, Saarwellingen, Schwalbach, Sellerbach (heute Riegelsberg), Heusweiler, Quierschied und Dirmingen. Der Pastor von Lebach war zugleich Kantonalpfarrer. Damals gab es zentral für diese Orte ein "Sozialbüro" (Bureau de bienfaisance). Im 1. Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 wurde der südliche Teil des Kantons Lebach Frankreich zugeteilt, und der größere restliche Teil kam zum Kreis Ottweiler.
Die Industrialisierung
Im Juli 1816 erfolgte die Übergabe dieses Landstückes an Preußen, und Lebach kam zum Kreis Saarlouis. Eine verwaltungsmäßige Einteilung, die bis heute ihre Gültigkeit hat und im Zuge der Gebietsreform von 1974 eine Erweiterung erfahren hat durch die Eingliederung der Theeltalgemeinden Aschbach und Thalexweiler sowie Steinbach und Dörsdorf. Die frühe wirtschaftliche und industrielle Entfaltung des 17. und 18. Jahrhunderts hat den Raum der heutigen Stadt Lebach unmittelbar berührt. Für die frühen Hüttenanlagen in Schmelz, Dillingen und Geislautern lieferten die Erze des Saubachtales die Rohstoffbasis.
Mit der preußischen Zeit begann eine wirtschaftliche Entwicklung, die zur Bildung des Saarreviers als bedeutendes Industriegebiet im Königreich Preußen und auch im Deutschen Reich nach 1870 führte. Lebach als zentraler Platz im Wohnbereich der Bergleute und Hüttenarbeiter und als Markt- und Handelsort profitierte davon. Als Folge der Industrialisierung wuchsen die Einwohnerzahlen.
Die Entwicklung der heutigen Struktur
Neben der katholischen Pfarrei entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine evangelische Pfarrgemeinde mit eigener Kirche (1907). Inzwischen wurden die Straßenverbindungen Saarbrücken - Trier und Saarlouis - Bernkastel ausgebaut und das Eisenbahnnetz so eingerichtet, dass Lebach ein Knotenpunkt an der Strecke Wemmetsweiler - Nonnweiler (1897) als Endstation der Nebenlinie Völklingen - Lebach (1911) wurde. Eine Beeinträchtigung trat nach dem Versailler Vertrag 1920 durch die Errichtung der Zollgrenze ungefähr 6 bis 10 km nördlich von Lebach in Richtung Wadern und Birkenfeld auf.
Die hohe Bedeutung der heutigen Stadt als Verkehrsknotenpunkt findet seit fast 100 Jahren ihren Niederschlag im kontinuierlichen Ausbau der Dienstleistungen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Handwerk und Gewerbe verhalfen dem Ort zu der Bedeutung und dem Ansehen, das er heute in weitem Umkreis genießt. Damit wuchs gleichzeitig die Attraktivität aller Stadtteile als Wohnort. Während des letzten Krieges war Lebach zu Beginn und Ende ein wichtiger Etappenort vor den Frontlinien und hat sehr darunter gelitten. Die Nachkriegszeit brachte zunächst neue Bildungsstätten in den Ort: Gymnasium und Lehrerseminar. Später kamen dazu Garnison und zentrales Flüchtlingsaufnahmelager (heute: Edith-Stein-Siedlung). Parallel dazu ist ein Anwachsen der Bevölkerung von 1938 bis 1974 festzustellen.
Die Eingemeindung der umliegenden Ortschaften brachte für Lebach, das 1977 zehnte Stadt des Landes wurde, eine Einwohnerzahl von 20.000. Das Mittelzentrum Lebach hat damit einen Höhepunkt erreicht; das Markt- und Verkehrszentrum ist inzwischen zu einem regionalen Bildungszentrum geworden. Durch die Ansiedlung von neuen Betrieben, vor allem solcher, deren Produktion keine zusätzliche Belastung für die Umwelt darstellt, konnte ein ausgewogenes Angebot an Arbeitsplätzen geschaffen werden.
