Maggi

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Inhaltsverzeichnis

Woher kommt Maggi?

Aus der Schweiz. Dort übernahm 1872 ein gewisser Julius Maggi den väterlichen Betrieb und verwandelte die Mühle in eine industrielle Lebensmittelproduktion. Die Ziele: a) Verbesserung der Ernährung der Arbeiterfamilien und b) damit Geld verdienen. 1884 stellte das Unternehmen aus Hülsenfrüchten eiweissreiches und gut verdauliches Leguminosemehl her. Das war billig, konnte schnell zubereitet werden und wurde bald Basis für die ersten Fertigsuppen. 1896 stellte der Betrieb zum ersten Mal Maggi-Würze her, ein Produkt, das es so ähnlich schon gab: der Fleischextrakt, erfunden von Justus von Liebig. 1908 folgte der erste Maggi-Brühwürfel.

Das Unternehmen engagierte sich nicht nur für die bessere Ernährung der Arbeiterschaft. Es war auch selbst ein - für damalige Verhältnisse - sozialer Musterbetrieb. Es verfügte über eine Kantine, es gab einen Betriebskrankenkasse, Witwen- und Altersrenten, Arbeiterwohnungen, und samstags hatten die Mitarbeiter frei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fusionierte Maggi mit Nestlé.

Bedeutung für das Saarland

Kaum ein Saarländer kommt beim Kochen ohne dieses Gewürz aus dem Hause Nestlé aus. Ob in der Suppe, im Extremfall sogar auf dem Butterbrot oder als Soßenersatz auf Nudeln. Der Saarländer verwendet gerne und viel Maggi, sei es in Form von Flüssigkeit oder in Form von Brühwürfeln. Auch auf Restauranttischen und in Kantinen darf Maggi nicht fehlen.

Warum ist Maggi im Saarland so beliebt? - Das hängt wohl mit dem (gefühlten?) Eiweißbedarf der Schwerstarbeiter zusammen - und davon gab es im Saarland viele, im Bergbau und in der Hüttenindustrie. Fleisch aber war teuer, und Maggi wurde mit der Zeit so etwas wie Fleisch-Ersatz.

Eine saarländische Besonderheit: Saarländer würzen ihr Frühstücksei auch mit einem Tropfen Maggi.

Wer allerdings heute ein Restaurant oder Bistro im Saarland aufsucht und Maggi zu seiner Suppe bestellt, wird bisweilen belächelt. Oder bewundert - wegen seines kulinarischen Bekenntnisses zum Saarland. Allerdings ist es ein Unterschied, ob man die Suppe vor einem Stammessen verzehren will oder bei einem Sternekoch.

Maggi, das saarländische Rauschmittel, gibt es in der Schweiz auch in einer scharfen Version! Einfach mal probieren (Ein Ex-Saarländer). Ergänzung von einem weiteren Ex-Saarländer: Auch in Holland gibt es Maggi-Hot (hot = scharf).

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Ironischer Umgang mit Maggi

Der Begriff Maggi wird in der saarländischen Umgangssprache auch als Adjektiv gebraucht, im Sinne von "Nicht so ganz toll, aber na ja, man kann damit leben." Vielleicht ist diese Formulierung auch der Grund dafür, warum der saarländische Schriftsteller Gerhard Bungert sein vierteljährlich erscheines Golfmagazin für etwa 150 Freunde auch als "Maggi-Cup-Zeitung" bezeichnet (wovon übrigens die Hälfte der Exemplare ins Saarland verschickt werden). Mit Sponsoring oder Werbung hat das nichts zu tun. Maggi ist für Saarländer ein Sammelbegriff. Es sind Sätze möglich wie: "Mir schmeckt am beschde es Maggi von Knorr." Das "Winterquartier" von Gerhard Bungert auf Gran Canaria trägt übrigens wegen seiner Bescheidenheit den Namen "Casa Maggi".

In den achtziger Jahren stellten Gerhard Bungert und Charly Lehnert auf dem Weihnachtsmarkt in Alt-Saarbrücken den saarländischen Adventskranz vor: Ein Ring Lyoner mit vier Flaschen Maggi.

Maggi und Sex

Der saarländische Mundart-Kabarettist Schorsch Seitz fragt in einem seiner Programme das Publikum nach einer typisch saarländischen Handbewegung. Diese macht er anschliessend vor - mit dem Kommentar: "Maggi in die Supp!" - Bei einigen Zuschauern sollen dabei schon sexistische Assoziationen entstanden sein. Wer´s nicht glaubt, der sollte einfach mal die Handbewegung simulieren...