Oskar Lafontaine
Aus Saarland-Lexikon
Inhaltsverzeichnis |
Herkunft uns Ausbildung
Oskar Lafontaine wurde am 16. Sept. 1943 in Pachten (heute Stadtteil von Dillingen) als jüngerer zweier Zwillingssöhne geboren. Sein Vater Hans war Bäcker, er fiel im Zweiten Weltkrieg. Die Mutter Katharina, geb. Ferner, zog später nach Dillingen. Sie starb 2006.
Oskar Lafonatine besuchte mit seinem Zwillingsbruder das Regino-Gymnasium in Prüm in der Eifel, wo sie 1962 ihr Abitur machten. Zwillingsbruder Hans studierte Jura und wurde Rechtsanwalt. Lafontaine studierte von 1962 bis 1969 Physik in Bonn und Saarbrücken. Er wurde dabei vom Cusanus-Werk der katholischen Kirche für besonders begabte Studierende gefördert.
Noch während seines Studiums, im Jahr 1966, trat Lafontaine in die SPD ein und zwei jahre später war er bereits Mitglied im Landesvorstand der SPD im Saarland.
Im Jahr 1969 schloss er sein Studium als Diplomphysiker ab und wurde Angestellter der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken mbH und ab 1971 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Straßenbahnen in der Saartal AG (bis 1974).
Politik im Saarland
Oskar Lafonatine war 1969/70 Mitglied des Saarbrücker Stadtrats und danach - bis 1975 - Abgeordneter der SPD im Saarländischen Landtag. Im Jahr 1974 wählte ihn der Saarbrücker Stadtrat zum Bürgermeister und 1976 zum Oberbürgermeister.
Am 9. April 1985 wurde Lafontaine saarländischer Ministerpräsident. Seiner Regierung gelang es, den Saarstahl-Konzern trotz der Stahlkrise über viele Jahre am Leben zu erhalten und den Zusammenschluss des Unternehmens in einer Holding mit der Dillinger Hütte in die Wege zu leiten. Der Personalabbau in der Saar-Stahlindustrie wurde sozial abgefedert. Im Saarland wurde die Gesamtschule als Regelschule anerkannt.
Kanzlerkandidat der SPD
Im November 1989, nach dem Fall der Mauer, warnte Lafontaine vor einer "nationalen Besoffenheit" und vor den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Wiedervereinigung, ohne diese grundsätzlich in Frage zu stellen.
Bei einem Wahlkampfauftritt in Köln-Mülheim 25. April 1989 brachte ihm eine geistesgestörte Frau eine lebensgefährliche Stichwunde am Hals bei. Im September 1989 wurde Lafontaine auf dem SPD-Vereinigungsparteitag in Berlin nahezu einstimmig zum Kanzlerkandidaten gewählt.
Bei den Bundestagswahlen im Dezember 1990 erreichte die SPD - bedingt durch die nationale Euphorie - nur mit 33,5 Prozent der Stimmen. Lafontaine verzichtete danach auf die Kandidatur für das Amt des SPD-Bundesvorsitzenden und blieb weiterhin saarländischer Ministerpräsident.
Bundesminister und Rücktritt
In einer Kampfabstimmung gegen Scharping am 16. November 1995 wurde Lafontaine zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt und nach dem Sieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 wurde er Finanzminister in der rot-grünen Bundesregierung. Sein Nachfolger als Ministerpräsident des Saarlandes wurde Reinhard Klimmt.
Am 11. März 1999 trat Oskar Lafontaine unerwartet vom Amt des Bundesfinanzministers und als SPD-Bundesvorsitzender zurück.
Noch im selben Jahr, am 5. September 1999, verlor Ministerpräsident Klimmt die Landtagswahl im Saarland und Peter Müller wurde Ministerpräsident. Bundeskanzler Gerhard Schröder berief daraufhin Reinhard Klimmt als Bundesverkehrsminister ins Bundeskabinett. Doch am 16.11.2000 musste Reinhard Klimmt sein Amt als Bundesverkehrsminister niederlegen und trat danach auch als SPD-Landesvorsitzender im Saarland wegen der Spendenaffäre 1. FC Saarbrücken und Caritas Trier zurück.
Politik für die Linke
2005 trat Oskar Lafontaine aus der SPD aus. Im Juni 2005 wurde er Mitglied der WASG, die mit der ostdeutschen PDS zur Linkspartei kooperierte. Zusammen mit Lothar Bisky wurde er zum Vorsitzenden der Partei DIE LINKE gewählt. Vom 18. September 2005 bis Februar 2010 war er für sie Mitglied des Bundestags und bis 2009 Fraktionsvorsitzender. Im Mai 2010 trat er aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Bundesvorsitzender der LINKEN zurück.
Seit September 2009 ist Oskar Lafontaine Fraktionsvorsitzender der LINKEN im saarländischen Landtag.
Privatleben
Oskar Lafontaine ist seit 1993 in dritter Ehe mit der Volkswirtin Christa Müller verheiratet. Diese gründete 1996 den Saarbrücker Verein "Intact" gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen. Beide haben einen Sohn (Carl Maurice; geb. 1997). Aus zweiter Ehe (1982-1988) stammt ein weiterer Sohn (Frederic; geb. 1982). Lafontaine lebte mit seiner Familie seit 2003 in Wallerfangen im Kreis Saarlouis.
Im Herbst 2011 machte Lafontaine seine Trennung von Christa Müller und seine Liaison mit Sarah Wagenknecht auf einem Parteitag der Linken öffentlich.
