Sol-Eier

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Sol-Eier sind hartgekochte Eier, die in einer Kochsalzlösung eingelegt wurden. Dadurch und durch entsprechende Kühlung werden sie für längere Zeit konserviert. Diese Methode ist sicher effizienter als die traditionelle vor Ostern. In der Fastenzeit legte man in den katholischen Gebieten die Eier in Stroh, um sie länger aufbewahren zu können. Daher kommt auch die Tradition, die Eier an Ostern in Stroh (= Nestern) zu servieren.

Herkunft

Sol-Eier kommen aus Oberschlesien, einem überwiegend katholischen Bergbaugebiet. Eine Parallele also zum Saarland. In Oberschlesien waren Sol-Eier fester Bestandteil einer Bergmannskultur, die sehr viele ortsunabhängige Aspekte aufzeigt. Man denke etwa an die Vorliebe für Tauben, Bier und Schnaps, für Uniformen, Blasmusik und Geselligkeit. Von daher ist es sicher kein Zufall, dass die Sol-Eier sehr schnell im Gebiet des heutigen Saarlandes populär wurden.

Saarländische Tapas

Jede kulinarische Kultur kennt Zwischenmahlzeiten. Man denke etwa an den Verkaufsfahrer, der um 10 Uhr morgens seinen Wurstweck isst oder an den früh aufstehenden Bauer, der bereits vorher sein zweites Frühstück verzehrt hat. Am Abend gibt es auch eine solche kulinarische Brücke: Nach der Arbeit trinken Franzosen in ihrer Bar ihren Apéro und essen dazu eine Kleinigkeit: Oliven, Nüsse, eingelegte Sardinen, Kleingebäck usw. Aus Spanien kennen wir die Tapas, die Deckel. Diese (meistens handelte es sich um Untertassen) legte man auf das gefüllte Weinglas, um zu verhindern, dass Fliegen im Wein ihr Freischwimmerzeugnis ablegen. Und weil der Deckel leer war, da sah er auch unangenehm leer aus. Also legte man etwas Verzehrbares drauf, wie man es auch mit einer Praline oder einem Keks beim Kaffee macht. Das waren Oliven, Salami-Scheiben, Schinken-Stücke oder eingelegte Sardinen. Mit der Zeit aber verselbständigten sich diese Rituale, und heute findet man in spanischen Bars ein großes Angebot von Tapas an der Theke. Man isst sie zwischen der Arbeit und dem Weg an den heimischen Herd. Zur gleichen Zeit stehen in Saarbrücken in Kneipen am St. Johanner Markt Berufshonoratioren der Regierung und der Gerichte an der Theke, trinken ihr Pils und essen dazu eine Kleinigkeit, z.B. ein Sol-Ei. Die Alternativen sind: Roll-Mops, Hackschnittchen, Brezel, Frikadelle. Das Gemeinsame: Sie fördern den Appetit, machen aber nicht satt. Sie sind gut gewürzt und fördern dadurch die Entscheidung für ein zweites Bier. Und ihr schönster Platz ist immer an der Theke.

Das Rezept

Da gibt es verschiedene Varianten, aber diese sind sich ähnlich. Gehen wir mal von 10 Eiern aus. Diese werden hart gekocht. Man lässt sie auskühlen und "klitscht" sie. Hochdeutsch: Man schlägt sie an oder rollt sie sogar vorsichtig, damit sie von der Schale nicht allzu sehr geschützt werden. Dann legt man sie in ein großes Schraubglas.

Auf dem Herd erhitzt man je einen halben Liter Wasser und Weissweinessig. Da kommen folgende Zutaten hinein:

- 2 Schalotten, geschält und halbiert

- Schale von zwei gelben Zwiebeln

- Salz und ein oder zwei Chili-Schoten

- Rosmarin und Thymian (können auch getrocknet sein)

Das alles kocht man bei mittlerer Hitze mindestens 5 Minuten. Dann lässt man alles erkalten und schüttet die Brühe über die Eier im Schraubglas. Dann kommt alles für 3 oder 4 Tage in den Kühlschrank.

Der Verzehr

Zuerst die Beilagen: Kühles Bier und dunkles Brot mit Butter. Dann schält man die Eier, freut sich über die Marmorierung, halbiert sie, nimmt mit einem Löffelchen das Eigelb raus, füllt die beiden Eiweiße mit etwas Senf, einigen Tropfen Maggi und Öl und setzt die Eigelbe wieder drauf. Man isst eine Hälfte, dazu einen Bissen vom Butterbrot und dann? - Das Bier.